Händedruck
Sehr geehrter Besucher,
willkommen auf frausuk.de bzw. biancasukrow.de. Wenn Sie sich darüber informieren möchten, wo Sie gelandet sind, schauen Sie bitte auf den Hintergrund.
Frau Suk
Kommentare deaktiviert | Blabla
Sehr geehrter Besucher,
willkommen auf frausuk.de bzw. biancasukrow.de. Wenn Sie sich darüber informieren möchten, wo Sie gelandet sind, schauen Sie bitte auf den Hintergrund.
Frau Suk
Kommentare deaktiviert | Blabla
Dass Straßen und Plätze oft nach markanten Punkten in der Nähe, dem vor Ort vorherrschenden Geschäftszweig, geologischen Besonderheiten oder außergewöhnlichem Bewuchs benannt werden, ist allgemein bekannt. Es gibt Rathausplätze, Kasinostraßen, Lindenplätze und Berggassen. Ist ja auch ganz praktisch, denn so erzählen die Namen dem Passanten einiges über Charakter und Geschichte eines Ortes, Bildung en passant. Aber wie weit die Pragmatik bei der Benennung öffentlicher Verkehrswege wirklich geht, zeigt erst der Blick in die allwissenden Google Maps:
Hier für Suchmuffel noch mal im vergrößerten Ausschnitt:
Frau Suk
Der WDR kommt offenbar in die Midlife Crisis. Auf einmal bemerkt der geneigte Zuschauer bzw. Zuhörer an allen Ecken und Enden Versuche zu einer Verjüngung. Die Hörfunksender WDR3 erfährt einen Programmumbau, die Kultsendung Zimmer frei zieht in eine frisch renovierte Studioneubauwohnung, und nachdem das Traditionsformat Tiere suchen ein Zuhause den Umbau seiner Kulissen in eine Art Gartenpavillion im Sterilstil über sich hat ergehen lassen, soll es auch noch auf seine langjährige Moderatorin Claudia Ludwig verzichten. Dem Stammrezipienten wird es langsam ungemütlich in seinem Fernsehsessel. Nach und nach werden ihm die in ausdauernden Sitzungen mühsam zurechtgeknautschten Sofakissen unter dem Hintern weggezogen. Statt dessen bietet die WDR-Programmleitung ihm schnieke neue High-Tech-Foam-Poster mit Microfaserbezug, antiallergen, abwaschbar und in Trendfarben. Passen sogar in jedes Jugendzimmer.
Doch obwohl man aus Sicht der Programmleitung nun wirklich alles für ein generationenübergreifendes Rundfunkerlebnis tut, zeigen sich die gemeinen Rundfunknutzer undankbar. Okay, an kleinere Programmumbauten oder eine neue Kulisse kann sich das Gewohnheitspantoffeltierchen auf dem heimischen Sitzmöbel vielleicht gewöhnen, immerhin bleiben ihm die gewohnten Stimmen und Gesichter erhalten. Aber wenn nach 20 Jahren die kompetente und beliebte Tiere-suchen-ein-Zuhause-Moderatorin Ludwig (51) gegen ihren eigenen Wunsch ersetzt wird, weil „die Sendung einem Relaunch“ unterzogen wird, beschleicht zumindest die Pantoffeltierchen auf unserem Sofa ein komisches Gefühl. Müssen wir bald auch auf Thomas Hackenberg verzichten? Ist ja immerhin auch schon 50, der Mann. Oder Ranga Yogeshwar, der hat mit fast 53 das mediale Mindesthalbarkeitsalter eigentlich auch schon erreicht.
Doch selbst wenn noch weitere beliebte Formate gepimpt und Moderatoren gegen jüngere Kollegen ersetzt werden, werden wir wohl damit leben müssen, denn Kundenproteste perlen an den Programmverantwortlichen des WDR ab wie Wasser an einem frisch antifaltengecremten Botoxgesicht. (Hallo Ü-Wagen lässt grüßen.) Claudia-Fans, die aus Protest zum Boykott der Sendung aufrufen, sollten sich fragen, worum es im Kern gehe, tadelt Karl Mertes den enttäuschen Zuschauer und schiebt ihm damit den Miesepeter zu. Den zweiten Miesepeter im Spiel bekommt Frau Ludwig, die „eine weitere Mitarbeit in Reportagen, als Autorin oder als Fachberatung“ abgelehnt hat. Oh Wunder. Dabei ist Karl Mertes’ Tipp, sich mal zu fragen, worum es eigentlich geht, ist gar nicht mal schlecht. Denn der Wunsch des loyalen Gebührenzahlers ist es offenbar nicht.
Frau Suk
P.S. Hier geht’s zur Stellungnahme von Programmgruppenleiter Karl Mertes.
Ich beglückwünsche Aachen zu seinen Beamten. Während in anderen Städten vielfach der Schluder Einzug hält, nach Augenmaß entschieden und zuweilen sogar mit gemeinen Bürgern kooperiert wird, verläuft hier im Städtchen alles beispielhaft. Erst heute durfte ich das vorbildliche Verhalten eines Ordnungsbeamten bewundern, der sich mit mustergültiger Haltung und mit größtem persönlichen Einsatz dem gefährlichen Treiben in unserer Straße entgegen stellte. Da setzte doch tatsächlich eine Frau ohne Minirock dafür aber mit Hüftschaden mit ihrem Kleinstwagen rückwärts in eine Einfahrt zurück und blieb dreist an Ort und Stelle stehen. Die wollte doch wohl nicht etwa eine öffentliche Straße sowie das vordere Viertel der davon abzweigenden abgesenkten Einfahrt für regelwidrige Handlungen missbrauchen? Der aufmerksame Beamte beobachtete den Vorgang vom Ende der Straße her und realisierte sofort, dass Gefahr im Verzug war. Er verließ seine Kollegen, die sich vermutlich in einem wichtigen Fachgespräch über neueste Paragraphen befanden, und näherte sich im Alleingang an die Übeltäterin an. Inzwischen hatte die Tochter der Haltesünderin begonnen, aus dem sich neben der Einfahrt befindlichen Haus Transportgut, das sich beim näheren Hinsehen als Konvolut aus vier Wasserkästen herausstellte, in den Kofferraum des Wagens zu bugsieren. Der engagierte Beamte intervenierte angesichts derartig unverfrorenen Verhaltens sofort und wies die Frau im Wagen unter genauer Einhaltung der Vorschriften im Handbuch für den Umgang mit potentiellen BußgeldbescheidempfängerInnen darauf hin, dass sie dort auf keinen Fall parken könne. Sie stelle ein Verkehrshindernis dar, präzisierte der Beamte den Hinweis, schlimmer als so könne man kaum sein Auto abstellen. Doch statt sich einsichtig zu zeigen und in Demut vor der Macht des Gesetzes innezuhalten, versuchten die suspekten Subjekte doch tatsächlich, sich heraus zu reden! In zweiter Reihe hätten sie nicht parken wollen, um den (zugegebenermaßen zu diesem Zeitpunkt aufgrund eines tageszeitbedingten Mangels an fahrenden Kraftfahrzeugen unkenntlich gewordenen) Verkehr nicht zu blockieren. Nur kurz hätten sie halten wollen, um die schweren Kästen einzuladen. Doch der Beamte durchschaute die perfiden rhetorischen Ablenkungsmanöver der durchtriebenen Übeltäterinnen sofort. Halten? Parken!, korrigierte der Fachmann die Ausflüchtlinge, die aufgrund offenkundiger Unkenntnis der entsprechenden Regelwerke eigentlich eines Führerscheins nicht würdig waren. Das Vorliegen einer Parktat war unverkennbar. Immerhin war die ältere leicht hinkende Frau dem Auto entstiegen, um für die Tochter mit der tragenden Rolle den Kofferraum zu öffnen, was allein als hinreichende Bedingung für Parken zu werten war. Darüber hinaus wandelte der Haltevorgang sich nach drei Minuten automatisch in einen Parkvorgang um, und die waren über das Gespräch zwischen dem Beamten und den Parkerinnen soeben vergangen. Wenn sie stehen bleiben wolle, um ein- oder auszuladen, bewies der Ordnungsbeamte seine Expertise, müsse sie ihr Auto in eine Reihe mit den bereits geparkten bringen, Platz sei in der Einfahrt dafür genug. Dem provozierend skeptischen Blick der Tochter, die die Breite der Einfahrt taxierte und augenscheinlich für zu klein hielt, begegnete der Beamte mit äußerlicher Gelassenheit, wie er es in der Fortbildung „Deeskalation im Kontakt mit aggressiven Personen“ gelernt hatte. Die vollendete Gleichmut des Beamten war umso bewundernswerter, als er sich nach wie vor in einer Gefahrensituation befand. Schließlich stand das Kraftfahrzeug immer noch längs in der Einfahrt, quer zur vorgeschriebenen Parkrichtung. Auch in Nebenstraßen war das Risiko plötzlich auftretenden Starkverkehrs groß, der – durch die nicht ganz bündig mit den in Reihe geparkten Autoflanken stehende vordere Stoßstange des Kleinwagens gestört – gleich wieder zum Erliegen hätte kommen können. Außerdem ragte das Heck des Suzuki Alto mindestens 40 cm in den nur gut zwei Meter breiten Bürgersteig hinein. Auch wenn aktuell weder auf der einen, noch auf der anderen Straßenseite Fußgängerpräsenz zu verzeichnen war, musste man auf die Spontanbildung von Straßenumzügen und Völkerwanderungen stets gefasst sein. Schlimmer noch, imaginäre Kinderwagen hätten zu riskanten Ausweichmanövern gezwungen werden können. Ein letzter strenger Blick von Seiten des Ordnungsbeamten genügte, um die Parksünderinnen in die Knie zu zwingen und zur Aufgabe des beparkten Terrains zu veranlassen. Dank des beherzten Eingreifens des Beamten wurden Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer nicht länger gefährdet. Dem Ernst der Lage zum Trotz und der Gewichtigkeit seines Amtes gemäß behielt der Hüter öffentlicher Ordnung durchweg die Contenance. Mit keiner Miene verriet er ungebührliches Verständnis für die niederen Individuen. Nicht für den Bruchteil einer Sekunde war er zu verfänglichen Zugeständnissen (Zudrücken eines Auges, Mitleid oder gar Körperkontakt mit dem Transportgut der Gegnerinnen, wie er bei unsittlichen Tragehilfsangeboten hätte entstehen können) hingerissen. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können, wenn der Beamte weniger wesensfest gewesen wäre. Womöglich hätte man ihn für einen Menschen mit lasterhafter Neigung zur Empathie halten können! Aber – sicher nicht zuletzt dank einer hervorragenden Ausbildung in Deeskalation, Rhetorik und Nahkampf – ist ja alles noch mal gut gegangen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Solch vorbildhaftes Verhalten muss öffentlich gelobt werden und sollte als Fallbeispiel Eingang in didaktische Fachliteratur für die Ordnungsbeamtenausbildung finden. Leider weiß ich den Namen dieses Musterexemplars eines Ordnungsbeamten nicht, um ihm persönlich für seinen Einsatz zu danken. Immerhin, die Namen der sündigen Frauen kenne ich.
Bei der Recherche zu Werner Herzogs erstem 3D-Film Die Höhle der vergessenen Träume gab ich in die Google-Bildsuche das Stichwort „Albino Alligatoren“ ein. Heraus kam Folgendes:
Wer findet den Fehler im Bild?
Frau Suk
Die Bauverzögerung der Kaiserplatzgalerie geht in die nächste Runde. Man müsse mal eben die Fassade umplanen. Aber DANN könne es losgehen, zitiert Heiner Hautermans die zur Zeit zuständigen Pappkameraden, die ihr Gesicht ins Presselicht halten und mit ihrem Schatten verdecken sollen, dass angesichts einer Wirtschaftskrise die Sterne für ein weiteres Rieseneinkaufszentrum nicht eben günstig stehen (Artikel hier). Eigentlich zeigt die Dauerbrache zwischen Adalbertsberg und Kaiserplatz nur eines: Das Kind ist eine Totgeburt. Selbst wenn irgendwann ein mit mehr oder weniger Glas ausgestattetes Einkaufszentrum dort gebaut wird, ist die Erweiterung der ohnehin schlecht genutzten Einkaufsflächen in Aachen (man denke an die Arkaden) ein Schritt in die falsche Richtung. Statt dessen sollte die Möglichkeit zur Ablehnung einer Bebauungsplanänderung – und diese ist in Anbetracht der gravierenden Fassadenänderungen sicher nötig – genutzt werden, um die Voraussetzungen für einen Neuanfang zu schaffen.
Denn was Aachen wirklich braucht, sind Wohnungen, nicht noch weitere gekündigte Mieter. (Über 5000 Quadratmeter Wohnraum hat alleine das Gespenst Kaiserplatzgalerie bereits vernichtet.) Mit einer Beplanung des Areals mit einer kleinteiligen Mischbebauung (attraktiver Wohnraum in möglichst viel Grün in der Mitte, kleine Geschäfte außen) wäre vielen Bürgern geholfen. Schon jetzt ist es für finanziell schlechter Gestellte fast unmöglich, bezahlbaren Wohnraum in akzeptablem Zustand zu finden. Die Situation wird Dank rasant steigender Mietpreise in Aachen und den durch die Campus-Erweiterung verstärkten Zulauf an Studenten in den nächsten Jahren sicher nicht besser. Diese vorhersehbare Schieflage zwischen Wohnungsangebot und Nachfrage wird von den zuständigen Stadtvertretern seit Jahren geflissentlich ignoriert. Auf die Frage danach, wie Aachen den zu erwartenden Mehrbedarf decken könne, antwortete die grüne (!) Beigeordnete Frau Nacken schon vor zwei Jahre mit „Gar nicht. Das muss die Städteregion abfangen.“ Irgendwie.
Ach so. Die Kleinstädte im Umland sollen dabei zusehen, wie Aachen versucht, ihren Einzelhandel auszuhungern und Kaufkraft abzuziehen, trotzdem aber die ganzen Bewohner aufnehmen, die in der vorrangig mit Einkaufspalästen bepflasterten Aachener Innenstadt keinen Wohnraum finden. Im Klartext heißt das, dass die Stadt bei den entscheidenden Unterrichtsstunden zur nachhaltigen und vorausschauenden Stadtplanung geschlafen hat. Aachen will große Einkaufszentren, die Kaufkraft in die Stadt spülen, aber die Maläste mit hier wohnenden Bürgern will sie nicht. Statt endlich in Bebauungsplänen festzuschreiben, dass Bereiche, in denen eingekauft werden soll, auch Menschen wohnen können sollten, lagert sie ihre eigenen Bürger aus. (Ich bin gespannt, wie die ohnehin mit Verkehr überlastete Stadt den hieraus resultierenden Pendlerverkehr verkraften wird. Denn ein zukunftsweisendes Verkehrskonzept erwarte ich von dieser Verwaltung nicht.)
Frau Suk
P.S. Wer sich über den Stand der Undinge informieren möchte oder Interesse an der Mitarbeit in der Bürgerinitiative „Kaiserplatzgalerie – Nein Danke!“ hat, ist herzlich eingeladen, sich am Montag, den 10.10 um 19.30 Uhr in der Raststätte (Lothringerstraße 23) einzufinden.
Selten hat mich eine Dokumentation so erschüttert wie diese, und ich komme nicht umhin, einen vor Betroffenheit triefenden Text zu schreiben. Andere Worte fehlen mir nach Sichtung des Films einfach. Wir bemitleiden die armen hungernden Kinder in Somalia und spenden pünktlich vor Weihnachten einen Fuffi an Brot für die Welt, und gleichzeitig werfen wir tonnenweise Lebensmittel in den Müll. Um genau zu sein 90 Millionen Tonnen pro Jahr in der EU. Schätzungsweise wird genauso viel Essen entsorgt wie gegessen. Wie krank dieses System ist, wird einem erst bewusst, wenn man alle Stationen der Lebensmittelproduktion, -vermarktung und -entsorgung abläuft. Genau das macht Filmemacher Valentin Thun in seiner äußerst systematisch aufgebauten Dokumentation.
20 Prozent des Brotes wandert direkt aus dem Regal in die Tonne, weil die Kunden von ihrem Bäcker erwarten, dass auch kurz vor Ladenschluss noch alle 23 Brotsorten und backfrische Brötchen in 10 Varianten vorrätig sein müssen. 10-50 Prozent des für den Handel angebauten Gemüses wird noch auf dem Feld entsorgt und wieder untergepflügt. Nicht, weil es überreif, unreif oder belastet wäre, sondern weil es nicht den Handelsstandards entspricht. Wir Kunden wollen nämlich nur Schema F. Wir kaufen sie nicht, die kleinen und großen Kartoffeln, den Joghurt, der „nur“ noch eine Woche mindesthaltbar ist, die krummen Gurken und die asymmetrischen Tomaten. Und weil wir sie nicht wollen, sortieren andere sie für uns aus, Bauern (mit blutendem Herz), Supermarktangestellte (auf Anweisung vom Chef), Beamte in den zuständigen Behörden (warum auch immer, vielleicht zugunsten der Lebensmittelindustrie). Prophylaktisch, damit wir sie nicht selbst wegwerfen müssen. Wenn wir die Wahl haben, nehmen wir natürlich den Quark mit dem längsten MHD, den makellosen Pfirsich und das perfekt gemaserte Fleisch. Wir haben uns daran gewöhnt, immer alles kaufen zu können, unabhängig von Saison, Klima und Tageszeit. Und weil wir in den reichen Ländern Lebensmittel vernichten, steigen in den armen Ländern die Nahrungsmittelpreise ins Unermessliche. Ein perverses Spiel.
Taste the Waste kommt trotz all der gezeigten Perversion unaufgeregt daher. „Stimmung gemacht“ wird ausschließlich durch den Einsatz von Musik, allerdings wird dieselbe im Vergleich zu anderen „Betroffenheitsdokus“ recht dezent eingesetzt. Die Bilder sind farbsatt, ruhig gefilmt und gut komponiert. Der weitgehend unkommentierte Zusammenschnitt aus Einzelimpressionen und O-Tönen holt den Zuschauer im heimischen Supermarkt ab und nimmt ihn mit auf eine Reise, zuerst durch Deutschland und das benachbarte Ausland, und schließlich durch Länder anderer Kontinente. Nach und nach werden so die Puzzleteile zu einer umfassenden Übersicht des nationalen und internationalen Lebensmittelkreislaufs zusammengetragen. Dabei holt Thun den Zuschauer durch heitere, hoffnungsvolle Passagen immer wieder aus dem dunklen stinkenden Bodensatz auf dem Grund kleiner und großer Mülltonnen heraus und lässt ihn beim Kochen mit Kindern, zu Gast bei kreativen Umdenkern oder auf dem Dach bepflanzter Wolkenkratzer frische Luft schnappen. Zweifel an der Authentizität des Gezeigten kamen mir während der gesamten Reportage nie, denn vieles hat man schon mal in anderen Kontexten gesehen, im Supermarkt beobachtet oder an sich selbst festgestellt. Die Leistung von Valentin Thun ist es, die beim Einblick in kleine und große Mülltonnen gesammelten Bilder sinnvoll zu arrangieren und in Beziehung zu setzen. Am Ende des Films hatte ich jedenfalls das Gefühl, etwas begriffen zu haben.
Frau Suk
Diese Rezension wurde auf Hard Sensations erstveröffentlicht.
Die Lust der Frauen heißt die Reportage von Gabi Schweiger, die inzwischen auf 3sat zu sehen war und die seit Ende Mai 2011 in einer schlichten DVD-Version ohne Bonuskrams daher kommt. Den Zuschauer erwartet eine angenehm unaufgeregte Stunde mit fünf sehr unterschiedlichen Frauen älteren Semesters (60+), die mit Begeisterung, Humor und großer Freimut von ihrem Sexleben erzählen. Denn – surprise! – sie haben alle ein solches, pflegen es, genießen es und lassen sich nicht in es hinein quatschen. So unterschiedlich die Frauen sind, eines haben alle fünf gemeinsam: Sie haben sich von äußeren Zwängen und/oder dominanten Partnern gelöst und trauen sich nun auszuleben, was ihnen wirklich wichtig ist und gut tut. Das kann die Beziehung mit dem 25 Jahre jüngeren Partner sein, die lesbische Fernbeziehung, der Kaffeeklatsch mit Anfassen aber ohne Hemden Bügeln, die neu belebte Dauerbeziehung oder die lockere Affäre. Die Frauen erzählen von schlaffer, aber sensibler Haut, vom Überwinden von Selbstzweifeln und Hemmungen, von abgelegten Partnern, neuen Schmetterlingen im alten Bauch, Vorurteilen, Freiheit und Orgasmen. Dabei offenbaren sie, dass auch Frauen keine besseren Menschen sind (oder sein wollen), dass sie zuweilen nur Sex wollen, aber keine Verpflichtungen und dass im Alter zwar manches anstrengender wird, aber nicht unbedingt schlechter. 61 Minuten sind gut getimt, länger wäre vermutlich etwas langatmig geworden, aber so erfreut man sich bis zum Schluss am Blick über der Nachbarinnen Gartenzäune (und auf ihre Balkone). Interviewer sieht man keine, Gabi Schweiger setzt allein auf die Wirkung ihrer Protagonistinnen, und das funktioniert gut; ruhiges Erzähltempo, ab und an ein bisschen nackte Haut und fünf abwechslungsreiche Lebensläufe. Keine Tabubrüche oder Grenzübertritte (auch dem Zuschauer gegenüber nicht), keine Detailberichte aus dem Nähkästchen, kein Spektakel. Warum die DVD eine FSK-16-Einstufung hat, ist mir schleierhaft, denn sicher erfahren hier auch Zwöfljährige nichts, das sie nicht schon wissen (okay, vielleicht wissen sie es nicht von Oma, aber dann wird es langsam Zeit).
Frau Suk
Diese Rezension wurde auf Hard Sensations erstveröffentlicht.
Der Zensus kommt! Den Kerl konnte ich noch nie leiden. „Zensus“ erinnert nicht zufällig an wortverwandte Fiesigkeiten wie „Zensur“. Nur dass hier anders als bei der Zensur nicht gestrichen, sondern nach mehr verlangt wird: Mehr Daten, mehr persönliche Angaben, mehr Informationen über die Lebensweise der Bürger. Schon aus Gründen der Statistik (nur etwa jeder 10. Bundesbürger wird befragt) war ich frohen Mutes, dass der Kelch der gesammelten Wahrheiten an mir vorübergehen werde, auch wenn mir schon beim Gedanken an eine Volkszählung der Magensaft hoch kam. Doch ich hatte die Rechnung ohne den Volkswirt gemacht, der beste Ehemann von allen und ich sind nämlich stolze Besitzer einer selbstgenutzten Immobilie. Und bei uns Haus- und Wohnungseigentümern gilt die Zehnprozentklausel leider nicht, wir müssen alle ran an den Kugelschreiber (wie in der Ausfüllanleitung gewünscht in blau oder schwarz. Wie auch immer die Sammelstelle ermitteln will, welche Plastikfarbe mein Stift hat). Missmutig füllten wir also den zugeschickten Bogen aus (mit Füller, nicht jeder Wunsch geht in Erfüllung), packten ihn in den beigelegten Rückumschlag und schickten ihn unfrei (ist ja ein Antwortbrief) an die Zensurbehör-… Verzeihung, Zensusbehörde zurück. Fristgerecht. Erledigt.
Dachte ich. Doch heute, mehr als acht Wochen später, flatterte schon wieder so ein DIN A4-Umschlag vom Zensus ins Haus. Mit einem Anschreiben. Ich zitiere:
ich möchte Sie an mein Schreiben vom 09.05.2011 erinnern. Bisher haben wir von Ihnen noch keine Rückmeldung erhalten. Bitte beantworten Sie die Fragen auf dem/den beiliegenden Fragebogen und senden diese/n im beiliegenden Rückumschlag innerhalb von 14 Tagen an Information und Technik Nordrhein-Westfalen zurück.
Sollten Sie in der Zwischenzeit bereits geantwortet haben, dann betrachten Sie dieses Schreiben als nichtig. Aufgrund der Vorlaufzeit für die Versandwelle dieses Erinnerungsschreibens konnten nur Fragebogeneingänge berücksichtigt werden, die bis Anfang Juni bei IT.NRW eingegangen sind.
Hm, dachte sich die faule Frau, viel Lust auf einen zweiten Durchgang hab ich wenig. Also mal die im Anschreiben angegebene Nummer gewählt. Warteschlange. Wartesch-lange. Wartesch-lange-lange… Huch, ein Mensch am Apparat. Ich musste kurz eingenickt sein. Ich erklärte dem Mann am anderen langen Ende der Leitung, dass wir den Bogen bereits ausgefüllt und fristgerecht zurückgeschickt hätten. „Ja…“, orgelte er, „das kann gut sein… Dass Sie jetzt diese Erinnerung bekommen haben, heißt auch nicht, dass Ihr Bogen nicht eingegangen ist, auch wenn sich das Anschreiben nach Mahnung anhört.“ – „??!?“, ich atmete hörbar rückwärts. „Aber es ist so“, fuhr er fort, „dass so wenig Leute geantwortet haben, dass alle Hausbesitzer noch einmal einen Bogen zugeschickt bekommen. Ich nehme einfach Ihren Namen und die Adresse auf und gebe das weiter, dann überprüfen wir, ob Ihr Bogen angekommen ist. Dauert dann ca. 6-8 Wochen, wir haben viel zu tun.“
Perplex gab ich ihm unsere Anschrift und die Identnummer des Fragebogens, beendete das Gespräch und ärgerte mich sofort über mich selbst. Wer weiß, was dieser Typ jetzt mit meinen Daten macht? War der überhaupt echt? Und selbst wenn: Was machen die von der Zensusstelle mit den nun sicherlich doppelt eingehenden Bögen? Gleichen die die Bögen ab? Was passiert, wenn die voneinander abweichen? Vernichten die Behörde dann ein Exemplar? Wenn ja, welchen? Oder werden die überzähligen Unterlagen an Datenkraken wie Facebook oder Google verkauft? Oder direkt an Adressdatenhehler, vielleicht im Austausch gegen CDs mit Steuersünderdaten? Und was heißt hier noch „10% der Bevölkerung“? Wenn alle Haus- und Wohnungsbesitzer erfasst werden und Angaben zu ihren Immobilien machen müssen – Anzahl der Wohneinheiten, Namen! der Mieter etc. – bleiben nicht mehr viele unerfasste Bürger übrig (es sei denn, es wohnen mehr als zwei Personen in einer Wohnung, man muss nämlich nur die ersten beiden angeben, angefangen mit den Erwachsenen).
Nach dem Telefonat googlete ich angesäuert nach anderen Hausbesitzern mit doppelten Bögen. Die fand ich zwar nicht (vielleicht zu früh?), aber dafür die Seite einer Anti-Zensus-Initiative; www.zensus11.de. Den Erfahrungsberichten Betroffener nach zu urteilen, die man dort nachlesen kann, gibt es auch bei den Haushaltsbefragungen einige Ungereimtheiten. Die Rede ist von schlecht oder gar nicht geschulten Befragern, die ihre Interviewpartner nicht über ihre Rechte informieren, unangemeldet auftauchen, unrechtmäßig auf gemeinsames Ausfüllen der Bögen oder Einlass in die Wohnung drängen, ohne ausreichenden Anlass mit Polizei oder Bußgeld drohen, aufgrund ihrer beruflichen Stellung oder Nähe zu den Befragten eigentlich nicht als Befrager taugen (z. B. Nachbarn oder Mitarbeiter von Sozialbehörden) und dergleichen mehr. Immerhin bin ich also nicht alleine mit meinen Bedenken, ob eine Stelle, die noch nicht einmal in der Lage ist, den Eingang von Post zu dokumentieren, fähig (oder willens) ist, die personenbezogenen Daten rechtzeitig und sauber von anderen Angaben zu trennen, sicher zu verwahren und beizeiten zu löschen. Bei der Lektüre der Beschwerdebriefe über die Zensusmitarbeiter kam es mir vor, als hätte ich Berichte mit ähnlichem Tenor schon einmal in einem anderen Kontext gehört. Bloß wo? Richtig! Von den Vaalser Bürgern, die Besuch von den Flex Teams bekommen hatten.
Frau Suk
Die Yellow Snow Crystals – zappaesker Jazz mit einem Hauch Gressenicher Schützenfestzelt und einer Prise belgischen Trödelladeninterieurs. Das ist bitte als Kompliment zu verstehen. Das letzte mal habe ich mich bei einem Konzert so befremdlich heimisch gefühlt, als ich im Wiener Jazzland saß. Lange habe ich auf die Rückkehr dieses Gefühls warten müssen, wer hätte das gedacht, dass es mir in der Raststätte frei Haus geliefert wird. Von Ausnahmeposaunist Paul Hubweber (an den fast unhörbaren Tönen sollt Ihr ihn erkennen), Perkussionist Simon Camatta, der sein Arsenal an Haushaltsutensilien fröhlich auf und neben die Trommeln schmeißt und trotzdem immer den richtigen Klang trifft, Kontrabass-, Sousaphon- und Guembrist Alex Morsey, der dem einen offensichtlich innig geliebten und blind verstandenen Instrument mit dem anderen fremdgeht, und Gerhard Horriar, der Zappas Texte so lange vom Deutschen ins Englische hin und zurück übersetzt, bis man auf den Spuren des Dackels Hildegard aus Versehen doch in den gelben Schnee tritt. Von Zappa war erfreulich wenig übrig nach dem Gang durch die Snow-Crystal-Waschmaschine, nur noch ein vom Free Jazz umspülter kristallin-verkrusteter Pulverrest am Revers der Spielmannszugblechbläseruniform. Absolutes Gute-Laune-Programm mit ausreichend Gehalt an Querschlägerei, um jede Assoziation mit dem Wort Gefälligkeit von vorne herein zu unterbinden. Meine Mutter wäre schon nach fünf Minuten schreiend aus dem Saal gelaufen, auch das ist als Kompliment zu werten.
Frau Suk
(Diese Rezension wird parallel in der Augustausgabe der MovieBETA veröffentlicht.)
Haruki Murakami ist der Mann, der die japanische Form des magischen Realismus europakompatibel und damit hierzulande einer breiten Masse zugänglich gemacht hat. Romane wie Kafka am Strand und Wilde Schafsjagd sind so magisch und zugleich so realistisch, dass man den Figuren ohne zu zögern in die entlegensten Winkel folgt und sie in die rätselhaftesten Umstände begleitet – und die Figuren folgen einem ins Leben, wenn man nicht schnell genug den Buchdeckel zu schlägt. Der Versuch, einen Murakami-Roman zu verfilmen, ist zwangsläufig ein gewagter. Man bräuchte einen Regisseur mit David Lynchs Gespür für‘s Seltsame und nur scheinbar Unlogische, Nicolas Winding Refns Liebe für überirdische Kulissen und Jim Jarmuschs Blick für merkwürdig schöne Menschen. Das scheint unmöglich, und bis jetzt ist das Unterfangen Murakami-Verfilmung meiner Ansicht nach auch noch nicht zur Zufriedenheit gelungen.
Jun Ichikawa legte 2005 mit der Verfilmung der Erzählung Tony Takitani vor. Ichikawa hat damit den vermeintlich einfachen Weg gewählt, da die Erzählung weit weniger komplex ist als die großen Romane und somit einfacher in eine schlüssige Filmhandlung zu überführen. Anders als die Figuren in Murakamis Werken bleiben einem die Filmcharaktere aber fremd, die kleine Geschichte wirkt künstlich aufgebläht und mit Blei beschwert. Nun zieht Trần Anh Hùng nach mit einer Interpretation von Naokos Lächeln (im Japanischen passender nach dem Beatles Stück Norwegian Woods benannt). Damit entscheidet auch Hùng sich für eine der weniger dem Magischen verschriebenen Geschichten Murakamis und drückt sich vor der Darstellung mysteriöser Parallelwelten. Und das, obwohl er den dazu nötigen Winding-Refn-Blick durchaus besitzt und beinahe unerträglich schöne Landschaften zeigt, in denen alles möglich zu sein scheint.
Die Story ist eine nicht ganz untypische Drei- bis Vierecksgeschichte. Nachdem sein bester Freund Kizuki (Kengo Kora) sich das Leben genommen hat, verlässt der junge Toru Watanabe (Ken‘ichi Matsuyama) seinen Heimatort und beginnt in Tokyo ein Studium. Er liest wie besessen, hält sich aus den Studentenrevolten der 60er Jahre weitgehend raus und verbringt seine Freizeit damit, gemeinsam mit dem kaltherzigen Macho Nagasawa (Tetsuji Tamayama) Frauen aufzureißen. Doch plötzlich taucht Naoko bei Toru auf, die seit ihrem dritten Lebensjahr mit Kizuki seelenverbunden war und nach dessen Tod völlig haltlos ist. Naoko und Toru finden zusammen, doch nachdem sie das erste mal miteinander geschlafen haben, verschwindet Naoko, in ein Sanatorium, wie sich später herausstellt. Inzwischen tritt die kesse Midori in Torus Leben. Die beiden Frauenfiguren sind als Gegenentwürfe zueinander angelegt. Naoko ist in der Vergangenheit verhaftet, Schmerz und Verlust dominieren ihr Leben und lassen sie nach und nach in den Wahnsinn driften. Midori hingegen drängt es mit Macht ins Leben. Sie ist trotz aller Schicksalsschläge gewillt, glücklich zu werden. Leider wird der Gegensatz zwischen den beiden Frauenfiguren von Regisseur Hùng nicht deutlich genug herausgearbeitet. Er nimmt sich für jede Banalität mehr als genug Zeit, beschreibt alles mögliche en detail und hält sich teilweise mit Wiederholungen auf, aber er schafft es nicht, dem Zuschauer das Wesentliche, die Beweggründe der Figuren, nahe zu bringen. Naoko kommt einem phlegmatisch und überspannt vor, welcher Natur aber ihr Problem ist, dass sie von der Stimme ihres toten Freundes umgetrieben wird und nicht nur von selbstzweiflerischer Egozentrik, wird erst am Ende des Films deutlich. Midori hingegen lässt die nötige Lebenslust vermissen und wird einem durch ihren laxen Umgang mit der Wahrheit, ihren ausgeprägten Geltungsdrang und die teilweise nicht gut nachvollziehbaren Stimmungsumschwünge unsympathisch. Toru wirkt dazwischen wie ein Hausangestellter, der unentschlossen aber dienstbeflissen zwischen den Frauen hin und her rennt, versucht, trotz seines damit nicht ganz leicht zu vereinbarenden Sexualtriebs den ein oder anderen moralischen Grundsatz hinüber zu retten und es trotzdem allen recht zu machen. Sex ist der Motor, der die Geschichte voran treibt. Dass er ein so großes Gewicht erhält, lässt sich je nach persönlicher Vorliebe des Zuschauers als spätpubertär oder – angesichts des jugendlichen Alters der Protagonisten – als lebensnah begreifen. Sex ist für die Charaktere zu bewältigende Aufgabe, unlösbares Rätsel, unerwartetes Geschenk oder Anlass für Konflikte, aber er ist immer bedeutsam.
Obgleich der Film insgesamt zu wenig stringent inszeniert ist (die 133 Minuten kommen einem auch wie 133 Minuten vor) hat er doch seine Stärken. Die Landschafts- und Makroaufnahmen sind grandios, die Kameraführung ist ruhevoll und präzise und die Musik von Jonny Greenwood und Can ist wunderbar. Ein absoluter Pluspunkt ist aber vor allem die Darstellung der Anziehung zwischen den Figuren. Es wird viel und überzeugend geknutscht in diesem Film, berührt und (ab)gestoßen. Kameramann Mark Li Ping Bing fängt die feine Mimik und die behutsame Gestik der Schauspieler ein wie Schmetterlinge und pinnt sie säuberlich für uns zur Ansicht auf. Vor dieser hauchzarten Zeichnung nimmt sich die zentrale Szene umso eindrucksvoller aus: Nachdem sich auch Naoko das Leben genommen hat, zieht sich Toru in eine Höhle am Meer zurück, brüllt bis zur völligen Erschöpfung gegen die Wucht der Brandung und die Unerbittlichkeit des Lebens an und schreit sich so durch seinen Schmerz hindurch. Wenn man auch auf einige andere Szenen in dem Film verzichten kann, diese möchte ich nicht missen.
Frau Suk